Diagnosecodierung 2026: Integration von Orphacodes für designierte Expertisezentren
- PCS
- vor 2 Tagen
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Ab 1. Jänner 2026 tritt eine wesentliche gesetzliche Neuerung in Kraft: Für designierte Expertisezentren im Bereich seltener Erkrankungen wird die Verwendung von Orphacodes verpflichtend. Damit hält ein eigenständiges, europäisch harmonisiertes Kodiersystem Einzug in die medizinische Dokumentation, das besonders die Versorgung von Menschen mit seltenen Erkrankungen verbessern soll.
Was sind Orphacodes – und warum werden sie verpflichtend?
Orphacodes stammen aus der Orphanet-Datenbank, dem international führenden Register für seltene Erkrankungen. Sie dienen zur präzisen, eindeutigen Identifikation von Krankheiten, die im ICD-10 oft nur grob oder gar nicht abgebildet werden.
Ziele der verpflichtenden Einführung ab 2026:
Verbesserung der Versorgungsqualität für Patient:innen mit seltenen Erkrankungen
Einheitliche Dokumentation in Europa
Bessere Forschungs- und Registerdaten
Stärkung spezialisierter Zentren („Expertisezentren“)
Integration in den X03-Datensatz: Orphacodes als Nebendiagnosen
Die Orphacodes werden ab 2026 zusätzlich im X03-Datensatz als Nebendiagnosen abgebildet.
Wichtig:
Orphacodes beeinflussen das Scoring nicht.
Sie dienen ausschließlich der medizinischen Präzisierung und der qualitativen Dokumentation.
Sie können parallel zu ICD-10-Diagnosen kodiert werden.
Damit bleibt das Abrechnungssystem stabil, während das Dokumentationsniveau deutlich steigt.
Umschlüsselung: Orphacodes ↔ ICD-10 (m:n-Beziehungen)
Ein zentraler Punkt der Einführung ist die Integration der Mappings von Orphacodes zu ICD-10-Codes.
Warum ist das komplex?
Die Beziehungen sind teilweise m:n, d. h.:
ein Orphacode kann mehreren ICD-10-Diagnosen entsprechen
eine ICD-10-Diagnose kann mehreren Orphacodes zugeordnet sein
Konsequenzen für die Dokumentation
Systeme müssen bidirektionale Zuordnungen unterstützen
Bei der Kodierung ist eine indikationsbezogene Zuordnung notwendig
Automatisierte Vorschläge verbessern die Datenqualität, dürfen aber medizinische Entscheidungen nicht ersetzen
Import in den PATIDOK-Diagnosestamm
Für Einrichtungen, die PATIDOK einsetzen, ist die Integration klar strukturiert:
Neue Funktionen im Diagnosestamm
Aufnahme des Orphacodes als zusätzliche Diagnoseinformation
Speicherung als Nebendiagnose, gekoppelt an die primäre ICD-10-Diagnose
Darstellung aller zugehörigen Mapping-Beziehungen
Vorteile für die Anwender:innen
Einheitliche, revisionssichere Codierung
Automatischer Import der aktuellen Orphanet-Mappings
Bessere interne Qualitätsberichte
Grundlage für Förder- und Zertifizierungsprozesse der Expertisezentren
Was bedeutet die gesetzliche Änderung ab 1. Jänner 2026 konkret?
Ab diesem Datum gilt:
Orphacodes sind für designierte Expertisezentren verpflichtend
Dokumentation im X03-Datensatz als Nebendiagnosen
Kein Einfluss auf LKF-Scoring
ICD-10 bleibt primäres Abrechnungssystem
Warum die Integration jetzt beginnen sollte
Die Umstellung betrifft IT, Medizincontrolling und codierende Bereiche gleichermaßen. Einrichtungen sollten daher frühzeitig:
Mitarbeitende schulen
Diagnosedaten analysieren
Systeme auf Mehrfachbeziehungen (m:n) vorbereiten
Testimporte in PATIDOK durchführen
Frühstarter profitieren von stabilen Prozessen, besserer Datenqualität und weniger Zeitdruck.
Fazit: Orphacodes stärken Expertisezentren ohne das Abrechnungssystem zu verändern
Die Einführung der Orphacodes ab 2026 ist ein Meilenstein für die Versorgung seltener Krankheiten in Österreich.Zwar verändern sie das Scoring nicht, aber sie sorgen für:
mehr Transparenz,
bessere Forschung,
einheitliche Dokumentation
und höhere Versorgungsqualität in Expertisezentren.
Mit der Integration in PATIDOK, den X03-Datensatz und die automatische ICD-10-Umschlüsselung sind Einrichtungen bestens gerüstet für die neuen Anforderungen.
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